Der Baui ist eine Jugendeinrichtung auf dem Gelände der früheren preußischen Befestigungsanlage „Fort 1“ in der Südstadt von Köln.
Das Programm des Baui
In den letzten 30 Jahren entwickelte der Baui sein Konzept ständig weiter: von einer Kindereinrichtung zu einer Einrichtung, die das Lernen von Übernahme eigener Verantwortung, von Initiative, von Selbstorganisation verwirklicht. Täglich gibt es auf dem Baui und seinem selbstorganisierten Jugendcafe „Schickeria“ bis zu 130 Besucher.
Jeden Monat gibt es
- eine New-Comer-Party (eine neue junge Band hat einen großen Auftritt)
- „Brot und Spiele“ (Disco für schwule und lesbische Jugendliche)
- 70er Jahre (Disco mit entsprechender Musik)
- „Twighlight“ (mittelalterliches Rollenspiel)
- „Dark Club“ (antifaschistische Grufties);
Alle diese Veranstaltungen haben jeweils 100 – 200 Besucher. Darüberhinaus gibt es
- jedes Jahr ein neues Musical, von Jugendlichen erarbeitet, von ca. 40 Kindern aufgeführt, mit eigener Baui-Kid-Band;
- eine Ferienmaßnahme im Sommer: 30 Jugendliche betreuen 30 Kinder in großen Selbstversorgerhäusern, im Herbst: Diese Jugendlichen segeln eine Woche lang;
- größere Events wie das antifaschistische Edelweißpiratenfestival, das Kölner Gauklerfest: Bei diesen Events stehen immer im Mittelpunkt auch Kinder und Jugendliche mit eigenen Bühnen usw.
- zahlreiche andere selbstorganisierte Feste kultureller Art von Künstlern und Jugendlichen, aber auch Hochzeiten oder größere Geburtstage von Nachbarn.
Daneben gibt es die laufenden üblichen Angebote wie Hüttenbau und Feuer, Sport, Tanzen, Geisterkeller und die verschiedensten AGs für Jugendliche und Kinder, in der Regel geleitet von Baui-Jugendlichen.
Hier auf der Webseite kann man sehen, warum sich in der Schweitzergarde so viele Südstädter engagiert haben: Zusammen mit dem Baui fanden wir immer bessere Möglichkeiten, hier im Interesse der Allgemeinheit schöne Veranstaltungen durchzuführen; außerdem wissen wir, dass der Baui von Anfang an um jede Entwicklung kämpfen und sich ständig gegen Angriffe verteidigen musste. Deshalb war es für viele von uns nichts Neues, uns mal wieder für den Baui stark zu machen!
Übrigens...
Im Jahr 2009, am 3. April, kann der Spielplatz im Hof des alten Fort 1 seinen 95. Geburtstag feiern. Nachdem das Fort 1 als militärische Verteidigungsanlage aufgegeben worden war, beschloss die Stadt Köln auf dem Gelände einen öffentlichen Park anzulegen. Im geschützten Innenhof wurde ein Spielplatz als sinnvoll erachtet und entsprechend ausgeführt. Das Fort wurde zu einer geräumigen Unterstandshalle für die Parkbesucher ausgebaut.
Ausdrücklich erwünscht im damaligen pädagogischen Konzept der Stadt Köln war die Möglichkeit zum „freien Spiel“. Der Kölner Gartendirektor und Planer des Parks, Fritz Encke, forderte damals, dass der Jugend auf diesem Spielplatz alles erlaubt sein solle, was die Kameradschaft nicht störe.
In diesem Zusammenhang bemerkte Encke übrigens auch, dass es schwierig sei, geeignetes Personal zur Aufsicht zu finden, welches nicht vergessen habe, dass es selbst einmal jung gewesen sei.
Geschichte des Fort 1 und des Friedensparks in der Südstadt
1823 Preußische Rheinschanze und 1843 Fort 1
1815 kam die Stadt Köln nach Abzug der Franzosen in preußische Hand. Schnellstmöglich wurde ein Befestigungsring um die Stadt gezogen, zu dem auch das Fort 1 in der Kölner Südstadt gehörte. Zunächst als „Rheinschanze“ auf der freien Wiese errichtet, wurde es wenig später zu einem Fort ausgebaut.
1914 Vom Festungswerk zum Rosengarten
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war der Festungsring veraltet. 1914 beschloss die Stadt Köln die Umwandlung in eine Grünanlage. Die Planung oblag dem Kölner Gartendirektor Fritz Encke, führender Verfechter der sozial ausgerichteten „Volksparkidee“. Seine Parks waren als „Grüne Wohnzimmer“ insbesondere für die ärmeren Bevölkerungsschichten gedacht. Gartenkünstlerische Höhepunkte waren der „Rosengarten“, der „Staudengarten“ und die „Felsenmauer“. Über die Planungen berichtete der Stadtanzeiger am 03.04.1914.
Fast 100 Jahre Spielplatz im Fort 1
Im Innenhof des Forts wurde ein Spielplatz angelegt. In wenigen Jahren wird der Vorgänger des Bauspielplatzes also 100 Jahre alt. Ausdrücklich erwünscht war 1914 die Möglichkeit zum „freien Spiel“. Der Planer Encke forderte, dass auf diesem Spielplatz alles erlaubt seine solle, was die Kameradschaft nicht störe. Schwierig sei es aber, geeignetes Personal zur Aufsicht zu finden, welches nicht vergessen habe, dass es selbst einmal jung gewesen sei. Das Kernwerk des Forts wurde zu einer Unterstandhalle für die Parkbesucher ausgebaut..
Das Kriegerehrenmal 1927
Schon kurz nach dem 1. Weltkrieg kam unter Konrad Adenauer, vorher kaiserlicher und jetzt bürgerlicher OB von Köln, der Wunsch nach einem Heldengedenkmal auf ("An Zahl unterlegen, im Geiste unbesiegt"). Nach dem Abzug der Engländer wurde das Fort I mit dem "Adler" gekrönt und 1927 wurde das Denkmal enthüllt. Der Park erhielt jetzt den (inoffiziellen) Namen „Hindenburgpark“, da der damalige Reichspräsident von Hindenburg die Bronze zum Guss des Adlers gespendet hatte. Ab 1933 eignete sich das Ehrenmal hervorragend für Aufmärsche der Nazis, hatte doch inzwischen die „Gauleitung Köln-Aachen“ das repräsentative Gebäude der alten Universität bezogen.
Fröhliches Spiel am Volkstrauertag
Ab 1956 bis 1970 feierten Kölner Militärs hier den "Heldengedenktag". Doch dann meldeten sich die ursprünglichen Nutzer des Spielplatzes zurück. Statt einen einzigen Tag im Jahr hier zu trauern, wollte man lieber 365 Tage im Jahr hier spielen, sagten sie sich wohl. Am Volkstrauertag 1971 hieß es dann „Wir bauen eine bunte Stadt“ - und die Militärs mußten unverrichteter Dinge abziehen. Seit 1978 ist der „BAUI“ ein städtischer Bauspielplatz, 1983 wird der Park in „Friedenspark“ umbenannt. Seit 1987 besetzten die Bauis die Innenräume des Forts, und erreichten in langen Auseinandersetzungen die Legalisierung dieser Aktion und die Jahrzehnte dauernde Instandsetzung des Gebäudes zu einem Kinder- und Jugendzentrum.
Das „Open-Air-Bürgerzentrum“
Im Laufe der Jahre hat sich der einstige Spielplatz immer mehr zu einem kleinen Begegnungszentrum in der Südstadt entwickelt. Zahlreiche Veranstaltungen für Jung und Alt bereichern das kulturelle Leben der Südstadt. Das Fort mit dem umgebenden Park war 1914 von der Stadt Köln als „Open-Air-Bürgerzentrum“ für Jung und Alt konzipiert worden. Diese Aufgabe erfüllt die Anlage noch heute ganz vorbildlich und wird dies hoffentlich auch in Zukunft tun.
Die Baui-Band mit „Jetzt kommt der Bauspielplatz“
auf dem 10. Geburtstag der JugZ gGmbH am 26. April 2008.